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Literaturhinweise

Sozialtherapie - was ist das?

Wie der Mensch, so braucht auch ein sozialer Organismus Zuwendung und Begleitung, so dass er seinen differenzierten Aufgaben gerecht werden kann. Die Kräfte, die durch einen auf eine bestimmte Aufgabe hin gebildeten sozialen Organismus geschaffen werden, können ausgleichend und heilend, befriedend aber auch impulsierend und Kraft gebend, dem einzelnen Menschen Grundlage für sein Leben in einer Welt sein, die durch Hektik und Fremdheit den Menschen nur wenig Hülle und Wärme gibt.

Sozialtherapie will bewusst Orte zum Leben schaffen, die den Bedürfnissen der dort lebenden Menschen entgegenkommt.

Die Camphill Dorfgemeinschaften

Idee und Impuls

Menschen mit Behinderungen sind darauf angewiesen, dass Einrichtungen geschaffen werden, die ihnen Grundlagen für eine möglichst aktive und erfüllte Lebensgestaltung sein können.

Die Dorfgemeinschaften wollen eine Möglichkeit zu einem integrativen Leben von Behinderten und Mitarbeitern mit ihren Familien sein. Die meisten Mitarbeiter leben zusammen mit den zu betreuenden Menschen in Hausgemeinschaften, wo die verschiedenen Bedürfnisse nach sozialer Stütze und Einbindung, nach Angenommensein und Heimat, Betreuung und Pflege sich verwirklichen lassen.

Entstehung und Ausbreitung der Camphill - Bewegung

Der Wiener Arzt und Heilpädagoge Karl König begründete zusammen mit einer Gruppe von Freunden, die wegen der Bedrohung durch Hitlers Faschismus als Emigranten Mitteleuropa verlassen mussten, 1939/40 in Schottland eine Lebensgemeinschaft für und mit behinderten Kindern. Der Ort dieser ersten Gründung - Camphill - gab den Namen für eine sich zuerst in den britischen Inseln und dann nach Amerika, Süd-Afrika, und mehreren Länder Europas ausbreitenden Bewegung, die weltweit etwa 100 Einrichtungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene hervorgebracht hat.

In Deutschland gibt es gegenwärtig (2000) zwölf Camphill - Einrichtungen mit zusammen etwa 775 Plätzen für Seelenpflege - bedürftige Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die sich im "Verantwortungskreis Camphill in Deutschland" zusammengeschlossen haben.

Wir pflegen enge Zusammenarbeit mit unserer Schwestereinrichtung der Camphill Dorfgemeinschaft Lehenhof und den Camphill Schulgemeinschaften am Bodensee. Viele der Abgangsschüler dieser Heimsonderschulen sind nun als Erwachsene Bewohner der Dorfgemeinschaft Hermannsberg.

Gemeinsames Leben und Arbeiten

Die sozialtherapeutische Arbeit in einer Dorfgemeinschaft ist ganzheitlich und umfasst alle Bereiche des Lebens, ohne sich dabei von der Welt trennen zu wollen. Heilerziehungspfleger, Therapeuten, Landwirte, Gärtner, Lehrer, Heilpädagogen, Handwerker, Mütter und Väter sowie Mitarbeiter mit anderen Qualifikationen, wollen zusammen mit den Menschen, die Stütze in der individuellen Lebensbewältigung suchen, ihre Fähigkeiten im Sinne einer Gemeinschaftsbildung einbringen.

Gemeinsames Arbeiten bedeutet, auch über die Grenzen der eigenen Fachlichkeit hinaus, die Initiativen und Impulse des Kollegen mitzutragen, sie mit den eigenen Aufgaben sinnvoll zu verweben.

Die Hausgemeinschaft

Die familienähnliche Struktur der Hausgemeinschaften bietet den Bewohnern nicht nur Schutz und Geborgenheit. Das Gefühl zu Hause zu sein, den Alltag wie die Feste miteinander teilen zu können, Freuden und Nöte des Mitmenschen zu erfahren, sind die Dinge die letztlich Lebensqualität bestimmen. Vier bis zwölf Menschen mit Behinderungen, drei bis sechs Mitarbeiter und deren Kinder bilden auf längere oder kürzere Zeit eine Gemeinschaft, die den Nöten des Einzelnen einen Ort des Annehmens und Verwandelns, des Tröstens und Erkennens sein will. Die gemeinsamen Mahlzeiten, die alle im Hause zubereitet werden, sind ein wichtiger Ort der Wahrnehmung des Mitmenschen, des Mitteilens, des Einbeziehens, der Aussprache und der Orientierung. Die kleinen häuslichen Aufgaben wie das Tischabräumen oder abtrocknen beim Abwasch bieten Möglichkeiten des miteinander Tuns und Beteiligseins. Das Erleben, dass dies mein Haus, meine Heimat, mein Ort des Rückzugs sein kann - dass ich hier gewollt und auch beteiligt bin, kann sich entfalten und Basis für das weitere Leben werden. Hier begegnen sich nicht so sehr Mitarbeiter und Betreute, sondern Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen und Fähigkeiten, die eine Strecke Lebens miteinander gehen wollen.

Die Werkstätten

So wie für das Kind das Spielen als eine seelische Notwendigkeit erscheint, so rinnt im Leben des Erwachsenen die Arbeit, das Tätigsein dürfen und kreativ zu gestalten diesen Platz ein. Arbeit ist für den Menschen eine wichtige Bestätigung seines Selbst und trägt dazu bei, dass wir ein erfülltes Leben haben können. Der Mensch mit Behinderungen braucht Hilfe, um in einem Arbeitsprozess beitragen zu können.

Wir sind bemüht sinnvolle und überschaubare Arbeitsprozesse so zu gestalten, dass die Beteiligten sich als Mitarbeiter in einem Fertigungsgang der zu einem Endprodukt führt verstehen lernen. So bearbeiten wir z.B. die rohen Bretter, die noch die Gestalt des Baumstammes erkennen lassen über viele Arbeitsgänge bis hin zu geformten Bauklötzen oder Bettgestellen. Das Rohmaterial und das fertige Endprodukt, das sich als Qualitätsarbeit verkaufen lässt, sollen am Arbeitsort erfahrbar werden. Die Schafwolle, wie sie vom Schnitt kommt, wird gewaschen, getrocknet und vielfach behandelt, bis sie versponnen, gefärbt und verwoben wird und in eine Decke sich verwandelt hat. Große Bögen Papier werden zugeschnitten, von Hand einzeln gefalzt, in Lagen gelegt, mit farbigen Deckblättern versehen, an einer Maschine geheftet, auf Größe geschnitten und in großen Stapeln gepresst, dann verpackt und zum Versand fertig gemacht. Die Gartengruppe sät ein, pikiert, pflanzt die Setzlinge, gießt und jätet, erntet und liefert in die Haushalte. Immer ist da das Bemühen eigenständige Arbeitsplätze so einzurichten, dass der Einzelne tätig werden kann und nicht nur als Hilfsdienste leistender tätig ist. So wird die Hauptaufgabe des Werkstattmitarbeiters nicht im Produzieren liegen, sondern in der Gestaltung von differenzierten Arbeitsplätzen, die den Fähigkeiten, Möglichkeiten und Behinderungen des einzelnen Menschen entgegenkommen. So kann die Arbeit ihren therapeutischen Charakter offenbaren und den Menschen mit Behinderungen in sinnvolle und ihn erfüllende Tätigkeit führen.

Therapie

Das Streben, das soziale Leben an sich, in seiner differenzierten Ausgestaltung als heilend, als therapeutisch zu gestalten und zu erfahren, ist das hohe Ideal der Sozialtherapie. Darüber hinaus hat wohl jeder schon erlebt, wie hilfreich Krankengymnastik oder Massage sein können, wenn das Kreuze schmerzt, oder der Nacken verspannt ist. Diejenigen Menschen, die gewissermaßen eine konstitutionelle Schwäche oder Schädigung zu tragen haben, brauchen öfter und regelmäßiger physiotherapeutische Behandlung, Massage, Heileurythmie und Ölbäder. Wir verstehen uns nicht als Kurbetrieb oder Rehabilitationszentrum, wollen aber über die fachlichen Möglichkeiten des Umkreises hinaus, im eigenen Hause die erwähnten therapeutischen Angebote verfügbar haben.

Medizinisches

Unsere "Krankenstation" wo die Schwester die Anlaufstelle für alle kleineren oder größeren medizinischen Sorgen ist, ist zugleich der Bereich wo die Krankengymnastik, Massage und medizinischen Bäder zu Hause sind. Auch werden hier Räumlichkeiten für schwerer erkrankte und postoperative Patienten vorgehalten. Die mehrstündige, regelmäßig alle vierzehn Tage stattfindende Sprechstunde unseres Arztes, dient nicht nur der Behandlung akuter Krankheiten. In einer auf die Sprechstunden folgenden Gesprächsrunde können Therapiepläne und medizinische Maßnahmen entwickelt und reflektiert werden. Gelegentlich bietet es sich an auch mit Eltern oder den gesetzlichen Betreuern biographische Krisen oder grundlegende Behandlungskonzepte zu besprechen. Die regelmäßige Zusammenarbeit mit dem Arzt gliedert sich in:

- Behandlung von akuten Krankheiten - Regelmäßige Untersuchungen wo angezeigt - Konstitutionstherapeutische Behandlung - Mitwirkung in der therapeutischen Gruppe - Beratung

Der Arzt ist auch in der Ausbildung zum Heilerzieher als Dozent tätig und hat somit einen lebendigen Einblick in die Dorfgemeinschaft.

Die Bewohner

Am Hermannsberg leben z.Z. ca. 100 erwachsene Menschen, die hier Schutz, Begleitung, Förderung und Pflege erfahren und mit ihrer Arbeit und sozialen Möglichkeiten einen wesentlichen Beitrag zur Bildung eines tragfähigen sozialen Organismus leisten.

Mitarbeiter und ihre Familien tragen dazu bei, dass Menschen mit Behinderungen im Rahmen des hier gestalteten Angebots ein möglichst selbstbestimmtes und sozial integriertes Leben führen können.

Behinderungsarten

Aufnahme in die Dorfgemeinschaft haben Menschen fast aller Behinderungsarten gefunden. Dazu gehören diejenigen, die in ambulanten Lebensformen versagt haben, aber auch schwerstmehrfach behinderte Menschen, die weder gehen, sprechen oder für sich selber sorgen können. Viele haben in der Dorfgemeinschaft eine tragende Stütze gefunden, so dass sie trotz großer Hindernisse, die aus ihren Behinderungen erwachsen, in angemessener Form ihren Beitrag zur Gemeinschaft leisten können. Das wird auch deutlich da, wo im Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Behinderungsarten dies zu einem sozialen Ausgleich und gegenseitiger Hilfestellung führen kann.

In die Gesamtheit des so Entstehenden gehören auch die Kinder der Mitarbeiter, die durch ihre kindliche Lebendigkeit oder natürliche Unbekümmertheit vieles an Spannungen erst gar nicht entstehen lassen.

Eltern und Angehörige

Die Menschen, die hier Aufnahme gefunden haben, kommen zu meist aus den alten Bundesländern, wobei eine Mehrzahl aus Baden-Württemberg stammen. Vielfach sind sie ehemalige Schüler der Camphill Heimsonderschulen am Bodensee, wohin sie ursprünglich meist durch Ärzte, Schulen, Sozialbehörden etc. verwiesen wurden. Eltern und Angehörige kommen aus allen sozialen Schichten, jedoch viele Bewohner ein Elternhaus im üblichen Sinne nicht vorweisen können.

Wir sind bemüht mit den Eltern, Angehörigen oder gesetzlichen Betreuern in ein lebendiges, vertrauensvolles Verhältnis zu kommen. Eine Gruppierung von Geschwistern hat sich gebildet, um auf ihre Weise Kontakt aufzubauen und sich auf zukünftige Aufgaben vorzubereiten. Neben den Gesprächen, die sich im Rahmen der Hausgemeinschaften ergeben, finden jährlich Wochenendtagungen statt, in denen in der Dorfgemeinschaft Themen behandelt werden, die von gemeinsamen Interesse sind.

Ein oder zwei Elternvertreter stehen als Vertrauenspersonen für Anliegen von Eltern oder Mitarbeiter zur Verfügung, um entstandene Fragen oder auch Unstimmigkeiten zu bewegen, bzw. zu lösen.

Die Mitarbeiter

Wichtig ist, dass die Mitarbeiter sich als Mitglieder eines nach gemeinsam entwickelten Zielen arbeitendes Kollegium erleben dürfen. Unterschiedliche Aufgaben und Kompetenzen führen nicht zu daraus abzuleitenden Positionen. Die Verantwortung des Einzelnen wird von der Gesamtheit der Anderen garantiert, so dass jeder dem Kollegium gegenüber verantwortlich ist. Die Initiative und Impulskraft des Einzelnen soll sich im Sinne eines freien Unternehmertums entfalten, aber gleichzeitig wird das in die Unterschiedlichkeit strebende durch die Verpflichtung zur Kollegialität eingebunden. Damit ist die Grundlage geschaffen, dass individuell Unterschiedliches sich entfalten kann, ohne den inneren Zusammenhang zum Ganzen, zum Arbeitsauftrag zu verkennen.

Ausbildung

Das in der Dorfgemeinschaft angebotene Camphill Seminar am Bodensee (Fachschule für Heilerziehungspflege) bildet zum staatlich anerkannten Heilerziehungspfleger/in aus. Die Seminaristen erfahren in einer Praxis - integrierten dreijährigen Ausbildungsgang alle Bereiche des Lebens und Arbeitens in der Dorfgemeinschaft. Auch in auswärtigen Kursen und Praktika erlangen sie umfassende Einblicke und Kenntnisse der Arbeit mit behinderten Menschen.

Im Semin arbeiten die Dorfgemeinschaften Hermannsberg und Lehenhof eng zusammen mit den Camphill Schulgemeinschaften Brachenreuthe, Bruckfelden und Föhrenbühl. Ausbildungsbeginn ist jeweils nach den Sommerferien.

Aufgabenstellung in der Hausgemeinschaft

Durch die Ausbildung zum Sozialpfleger (Staatlich anerkannter Heilerziehungspfleger) werden zukünftige Mitarbeiter auf die Aufgaben in einem sozialtherapeutischen Lebens- und Arbeitsbereich vorbereitet. Die verantwortliche Betreuung, Pflege und Begleitung von Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen im Leben wie im Arbeitsfelde wird veranlagt. Viele unserer Mitarbeiter haben diese oder eine gleichwertige Ausbildung genossen. Hinzu kommen Heilpädagogen, Krankenschwester, Therapeuten, Sozialpädagogen, Lehrer und Fachhandwerker.

Die fachlich ausgebildeten Mitarbeiter werden ergänzt durch Praktikanten im Anerkennungsjahr, Zivildienstleistende und unsere Teilnehmer am Camphill Seminar, die in den Häusern (wie auch den Werkstätten) ihre Praktika machen.

Der Sozialpfleger hat die Aufgabe einerseits notwendige Hilfestellungen, Begleitung und Pflege zu leisten, andererseits mitzuhelfen, daß der soziale Organismus seine heilende, ausgleichende, therapeutisch wirksamen Kräfte entfalten kann. Er ist gehalten den Alltag nicht zum Trott der Wiederkehr des Gleichen abgleiten zu lassen, sondern die Qualität des tragenden Rhythmus zusammen mit den bedürftigen Menschen zu etablieren. Sozialpfleger in diesem Sinne ist nicht Sozialmanager sondern eher ein Katalysator zur Entwicklung tragfähiger Lebensbezüge. So nimmt er teil an allen im Hause anfallenden Arbeiten, durch deren Bewältigung für den dabei beteiligten Menschen mit Behinderungen ein Stück Normalität erübt und gelebt wird.

Mitarbeiter in der Werkstatt

Eine sogenannte Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) ist von der Dorfgemeinschaft als gemeinnützige Gesellschaft (g.G.m.b.H.) begründet worden. Hier werden über hundert Arbeitsplätze zusammen mit der Arbeit in Garten, Hof und Gelände angeboten. Neben fachlich gebildeten Kräften, arbeiten unsere Sozialpfleger, Praktikanten und Teilnehmer unseres Seminars in den Werkstätten und Dienstleistungsbereichen.

Hier werden Arbeitsplätze für die individuellen Möglichkeiten und Einschränkungen der behinderten Werkstattmitarbeiter eingerichtet. Die Hauptaufgabe der betreuenden Werkstattmitarbeiter liegt nicht in der Produktion sondern in der Schaffung und Erhaltung differenzierter Arbeitsplätze für behinderte Menschen und in der Anleitung und Hilfestellung. Gegenwärtig arbeiten folgende Werkstätten: Holzwerkstatt, Weberei, Kerzenzieherei, Schulhefteherstellung, Garten- und Geländepflege, Hofgruppe, Hauswirtschaft und Wäscherei.

Z.Z. kommen als Externe täglich 15 zu betreuende Werkstattmitarbeiter in die Werkstätten.

Lebensgemeinschaft und Arbeitsrecht

Arbeitszeitregelungen ergeben sich durch den Lebensrhythmus, der in der Dorfgemeinschaft gepflegt wird. Aufstehen und Zubettgehen sind dabei die natürlich sich ergebenden Begrenzungen, die durch danach stattfindende Veranstaltungen, die aus dem Leben der Gemeinschaft entstehen erweitert werden. Da die Dorfgemeinschaft auch der persönliche Lebensort der dort wohnenden Mitarbeiter ist, entfaltet sich das Leben mit den zu betreuenden Menschen so, wie es für eine Mutter in einem größeren Haushalt oder für ein bäuerliches Anwesen zutrifft. So regeln die Mitarbeiter, die in der Gemeinschaft ihren Lebensmittelpunkt sehen die Art und Weise ihrer Zusammenarbeit durch gegenseitige Absprachen.

Alle Regelungen ergeben sich in erster Linie aus den Bedürfnissen der zu betreuenden Menschen, dem Tages- und Wochenrhythmus und den darin eingebundenen Arbeitszeiten in den Werkstätten. Durch die Familienstruktur der Hausgemeinschaften werden spezielle Nachtwachen oder Bereitschaftsdienste bislang vermieden. Andererseits achten wir auch darauf, dass die Mitarbeiter nötige Freiräume, Urlaub und Fortbildungsmöglichkeiten erhalten, denn nur so ist eine gedeihliche Arbeit zu leisten.

All dies ist nur denkbar, weil die Mitarbeiterschaft in Selbstverwaltung die Lebens- und Arbeitsbedingungen verantwortet und regelt und die Befriedung der Bedürfnisse des jeweils anderen Grundlage dieses Bemühens ist.

Die Dorfgemeinschaft bietet auch Arbeitsplätze an Mitarbeiter, die außerhalb wohnend diese Lebensform nicht teilen können und nach den üblichen Arbeitsbedingungen mithelfen die vielfältigen Aufgaben in allen Bereichen zu bewältigen.

Selbstverwaltung und Zusammenarbeit

Die in der Dorfgemeinschaft initiativ arbeitenden Mitarbeiter fühlen sich nicht als Angestellte, sondern verhalten sich wie freie Unternehmer, die sich zusammengefunden haben, um gemeinsam die Ziele ihres Tätigseins zu verwirklichen.

In der Mitarbeiterkonferenz werden die grundlegenden Entscheidungen, die das Zusammenleben- und arbeiten betreffen möglichst in Einmütigkeit getroffen. Die Verwaltung dient dem Ganzen, ohne eine Richtlinienkompetenz auszuüben.

Arbeitsgruppen werden von der Mitarbeiterkonferenz eingesetzt, um verschiedenen Bereiche der Dorfgemeinschaft zu verantworten (z.B. Kulturgruppe, Hofkonferenz, Ausbildungsgruppe, Werkstattgruppe etc.). Die von der Öffentlichkeit geforderten Amtsträger, wie Geschäftsführer unserer gemeinnützigen g.G.m.b.H. Camphill Werkstätten, oder Heimleiter werden vom Trägerverein in Übereinstimmung mit der Konferenz ernannt.

Die Dorfversammlung tagt ca. acht mal im Jahr, umfasst alle Bewohner der Dorfgemeinschaft und ist auch ein Selbstvertretungsorgan der hier betreuten Menschen. Sie hat parlamentarischen Charakter, wird durch ein Gremium von Betreuten und Mitarbeitern vorbereitet und möchte eine Willensbildung über die uns angehenden Fragen unter den Beteiligten ermöglichen und ist daher von zentraler Bedeutung für die Entscheidungsfindungen vor Ort.

Konsultation und Leitung

Die Leitungsaufgaben werden nicht aus dem Amt selbst wahrgenommen, sondern aus dem lebendig-konsultativen Verhältnis, das die Mitarbeiter in der täglichen Zusammenarbeit pflegen, wie auch aus den Arbeitsergebnissen der verschiedenen Selbstverwaltungsgruppen.

Konfliktlösung und Gemeinschaftsbildung

In der Dorfgemeinschaft gibt es eine wöchentlich tagende Gruppe, die aus Repräsentanten aller Arbeits- und Verantwortungsfelder besteht. In diese Gruppe können Betreute wie Mitarbeiter Fragen, Sorgen und Konflikte tragen, die der Lösung bedürfen. Hier kann dann ein Forum entstehen, dass auf objektiver Ebene hilfreich sein kann in der Bewältigung der anstehenden Fragen.

Andererseits können durch eine therapeutische Konferenz die Menschen zusammenrufen werden, die sich um besondere Probleme eines Betreuten stellen. Auch Mitarbeiter mögen in Fragen ihrer eigenen Lebensbewältigung oder um Konfliktlösung suchend einen sogenannten Dorfrat einberufen, der sich je nach Bedürfnislage um eine Frage frei konstituiert.

In Konsultation zwischen Eltern und Angehörigen wie Mitarbeitern ist ein Elternvertreter bestellt, der Ansprechpartner für die Eltern immer dann sein kann, wenn Missverständnisse oder Problemstellungen die ansonsten vertraute Zusammenarbeit zwischen Eltern und Mitarbeiter gestört haben. Als Vertrauensperson kann der Elternvertreter dann vermittelnd auftreten und mithelfen mögliche Konflikte zu bereinigen.

Die genannten Einrichtungen sind wichtige Elemente unseres Gemeinschaftslebens und haben sich vielfach bewährt.

Rechtliches

Rechtsträger und Vorstand / Freundeskreis Camphill

Der als gemeinnützig und mildtätig anerkannte und eingetragene Verein Camphill Dorfgemeinschaften e.V. mit Sitz in Überlingen, ist Träger der Dorfgemeinschaft Hermannsberg, wie auch unserer Schwestereinrichtung der Dorfgemeinschaft Lehenhof.

Der Freundeskreis Camphill e.V. ist Organ der Angehörigen und Freunde der Camphill - Einrichtungen in Deutschland. Er unterstützt tatkräftig die Entwicklung unserer Arbeit im ideellen wie materiellen Sinne und ist als Selbsthilfeorganisation Mitglied in der Bundesarbeitsgemeinschaft Hilfe für Behinderte.

Binnenkontrolle und Wirtschaftsprüfung

Alle wirtschaftlich-finanziellen Vorgänge werden durch das ‘Vieraugenprinzip’ gestaltet. Der Trägerverein hat durch seine Sprecher (Vorstände) eine Einwirkungsmöglichkeit in das Finanzgebaren vor Ort und verantwortet größere finanzielle Vorhaben (z.B. Hausbau). Ein vereidigter Wirtschaftsprüfer erstellt einen Bericht über den Jahresabschluss und attestiert korrekte Buch- und Geschäftsführung. Die sich entwickelnde Qualitätssicherung trägt dazu bei, das Erreichte zu halten und Ziele weiterzuentwickeln.

Vorstandsmitglieder, die nicht gleichzeitig Mitarbeiter sind, formen einen objektiven Spiegel der eigenen Aktivität und sind als geschätzte Ratgeber wichtige Begleiter der Arbeit.

Mitgliedschaft in Verbänden

Die Dorfgemeinschaft Hermannsberg ist wie alle Camphill - Einrichtungen in Deutschland Mitglied im Verband für anthroposophische Heilpädagogik, Sozialtherapie und soziale Arbeit e.V., sowie im Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband. Darüber hinaus besteht eine enge Zusammenarbeit im Verantwortungskreis Camphill in Deutschland, der wiederum Teil des weltweiten Camphill - Movement ist.

Zusammenarbeit mit anderen Organisationen

Über den Verband für Anthroposophische Heilpädagogik, Sozialtherapie und soziale Arbeit e.V. wird aktive Zusammenarbeit mit anderen Fachverbänden gepflegt. Dies findet im ‘Kontaktgespräch der Verbände’ (Caritas, Diakonie, Lebenshilfe) einen tragfähigen Ort der Zusammenarbeit.

Die Dorfgemeinschaft ist verbunden mit der Medizinischen Sektion der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft am Goetheanum in Dornach / Schweiz. Dort wird die internationale Zusammenarbeit mit allen im Sinne des anthroposophischen Menschenbildes tätigen Einrichtungen der Behindertenhilfe durch das Sekretariat der Konferenz für Heilpädagogik und Sozialtherapie koordiniert.

Literaturhinweise

ARNIM, Georg von: Was bedeutet Seelenpflege? Die Aufgaben der anthroposophischen Heilpädagogik und Sozialtherapie.

Bad Liebenzell, 1981. Verein für ein erweitertes Heilwesen e.V.

DENGER, Johannes (Hg.): Lebensformen in der Sozialtherapie.

Stuttgart, 1995. Verlag Freies Geistesleben.

FIEDLER, Ekkehard, Redaktion: 70 Jahre Heilpädagogischer Kurs. "Begegnung bildet Gemeinschaft". Sonderheft Nr. 248/Juni 1994 der "Internen Korrespondenz", Hg.: Verband für anthroposophische Heilpädagogik, Sozialtherapie und soziale Arbeit, Echzell

GRIMM, Rüdiger: Die therapeutische Gemeinschaft in der Heilpädagogik.

Das Zusammenwirken von Eltern und Heilpädagogen.

Stuttgart, 1991. Verlag Freies Geistesleben.

GRIMM, Rüdiger: Perspektiven der Therapeutischen Gemeinschaft in der Heilpädagogik. Bad Heilbrunn, 1995. Klinghardt Verlag.

MÜLLER-WIEDEMANN, Hans: Karl König. Eine mitteleuropäische Biographie.

Stuttgart, 1992. Verlag Freies Geistesleben.

Müller-Wiedemann, Hans: Heilpädagogik und Sozialtherapie - Idee und Auftrag, in: Zivilisation der Zukunft. Arbeitsfelder der Anthroposophie.

Hg.: H. Rieche und W. Schuchardt.

Stuttgart, 1981. Verlag Urachhaus.

PIETZNER, Cornelius (Hg.): Camphill. 50 Jahre Leben und Arbeiten mit Seelenpflege - bedürftigen Menschen.

Stuttgart, 1991. Verlag Freies Geistesleben.

ZEITSCHRIFTEN:

Seelenpflege in der Heilpädagogik und Sozialtherapie.

Hg.: Konferenz für Heilpädagogik und Sozialtherapie, Dornach, CH.

Die Brücke.

Hg.: Freundeskreis Camphill e.V., Überlingen.